|
 |
Legende:
SK=Schleppkupplung
HR=Höhenruder
QR=Querruder
EZFW= Einziehfahrwerk
|
In mir kam der Wunsch auf, auch einmal eine Orchidee zu fliegen. Nach langen
Suchen und Vergleichen, vorwiegend über das Internet, fand ich den Weg auch zu
Lenger Modellbau. Der beschriebene Vorfertigungsgrad und der Preis waren der
Grund, mich näher mit dieser angebotenen Produktpalette zu befassen. Mehrere
Gespräche mit dem Juniorchef Bernhard Lenger konnten überzeugen und er hat mir
nicht zuviel versprochen. Meine Entscheidung viel letztendlich auf den Duo
Discus mit 4,00 Meter Spannweite in Voll-GFK. Bei einem Besuch auf dem
Klippeneck stach mir beim Duo Discus die extravagante Flügelgeometrie mit ihrem
5-fach Trapez sofort ins Auge. 1 Woche nach Bestellung kam ein
überdimensionaler Karton bei mir zu Hause an. Alles fein säuberlich in
Polsterfolie verpackt und mit zusätzlichem Füllmaterial geschützt. Der
Lieferumfang sieht folgendermassen aus:
- GfK-Rumpf mit fertig eingebautem Einziehfahrwerk und angebrachtem Dekor sowie
eingeklebtes vorderes Cockpit
- fertig eingebautes Heckrad und Bugrad versehen mit Leichträdern
- GfK-Seitenleitwerk mit 2 Stiftscharnieren
- GfK-Höhenleitwerk schraubbar
- GfK-Tragflächen mit 12 mm Rundstahlsteckung, Hauptholm CFK-verstärkt, geteilte Querruder ausgeführt als Elasto-Flaps, eingebaute
Landeklappen(Störklappen) inkl. Anlenkung
- seitlich aufklappbare Kabinenhaube wie im Original, Kabinenverschluss über aufschiebbares Cockpitfenster zu betätigen
- kurze Montageanleitung(Zeichnung), Kleinteile, Ruderabdeckungen, Klebeschilder für das Cockpit
- Cockpitwanne mit Instrumentenpilz für den hinteren Pilotensitz, alles in GFK
Die Montageanleitung begrenzt sich momentan auf eine 2-seitige Zeichnung, in dem
Vorschläge für den RC-Einbau ersichtlich sind und die Angabe des
Schwerpunktes. Also nichts für einen Anfänger, eher für Fortgeschrittene
gedacht. Somit bleibt einem jede Menge Freiraum für eigene Gedanken.
|
Rumpfausbau:
Zuerst wurde die Kabinenhaube, bereits fertig mit dem GFK-Rahmen verklebt und
lackiert, mittels den 2 im Rumpf befindlichen Scharnierstiften gelöst und
abgenommen. In ein weiches Tuch gewickelt wartete es erst Mal in einer Ecke auf
seinen weiteren Einsatz. Der Schleppkupplung, auch bei der Firma Lenger als
Zubehör erhältlich, und dem fertig eingeharzten EZFW spendierte ich je ein 7,5
Kg Metallgetriebeservo, welche ich liegend im Rumpf positionierte , damit die
Cockpitwanne, übrigens auch aus GFK und schon grau eingefärbt, beim
Zusammenbau auch passt und nichts anstösst. Die Sevohalterungen der Servos
machte ich aus 20 mm Abachileiste, die dann mit eingedicktem Harz im Rumpf
verklebt wurden. Die Servos werden von oben in die
geschlitzten Halterungen geschoben und bei mir durch einen GFK-Streifen
gesichert. Als nächstes wurde die Schleppkupplung verharzt. Die als Zubehör
erhältliche Schleppkupplung hat einen genügend grossen Innendurchmesser(10
mm), so dass auch dickere Schleppleinen ohne Probleme aufgenommen werden
können. Mit einer vorn angebrachten auf einer Gewinde laufende Rändelmutter
kann man schön den Abstand im Rumpfkonus einstellen. Ich benutzte ein Rohr als
provisorische Verlängerung, welches ich auf die Rückseite der Schleppkupplung
adaptierte und konnte so mittig die SK ausrichten und fixieren. Den Rumpf auf
den Kopf gestellt, kann man dann die Rumpfspitze mit der SK mittels eingedicktem
Harz auffüllen und über Nacht durchhärten lassen. Zuvor wurde die Rumpfspitze
mit Klebeband dicht gemacht. Das schon fertig
eingebaute EZFW war der nächste Angriffspunkt. Die 2
Klappen für das EZFW liegen in einem eingelassenen Rahmen. Der Rahmen ist schon
in der Rumpfform integriert. Hier wird also nicht der Rumpf aufgeschnitten und
die 2 Klappen angeschlagen. Also viel Arbeit, die man sich wirklich spart. Die
Klappen sind mit weissem Klebeband angeschlagen und werden mittels kleinen
Gummis beim Einfahren nachgezogen. Alles schon fertig und tadellos laufend eingestellt.
|
Kommen wir zum nächsten Schritt: Höhenruder
Im Seitenleitwerk wurde nicht wie üblich ein Holzspant verwendet, sondern hier
wurde nass in nass ein GFK-Spant einlaminiert, gleich mit einer Ausbuchtung für
die Aufnahme eines Höhenruderservos, in meinem Fall ein Graupner C 3341.
Im Spant sind auch schon die 2 Löcher für die Aufnahme der 2 Stiftscharniere
des Seitenruders gesetzt. Ich habe den Ausschnitt für das Servo angezeichnet
und ausgenommen. Für die Servobefestigungsschrauben wurden jeweils oben und
unten noch 3 mm Speerholz hinterlegt, damit die Schrauben genügend Fleisch
haben. Der Durchbruch für das Anlenkgestänge wurde ebenfalls freigemacht. Das
GFK-Höhenleitwerk sitzt spaltfrei auf seiner Auflage und wird mittels 2 mal 5
mm Nylonschrauben in die schon eingelassenen Zackenmuttern befestigt. Doch
wollte ich es genau wissen. Die 12 mm starke Rundstahlsteckung wurde in den
Rumpf eingeschoben und auf 0 Grad nivelliert. Sodann wurde die
Höhenleitwerksauflage ebenfalls auf die 0 Grad überprüft. Ich konnte hier
keine Abweichung feststellen. Saubere Arbeit. Das Höhenruder ist ebenso wie die
Querruder als Elastoflap ausgeführt. In das HR drehte ich die mitgelieferte
Augenschraube(Messing) in ein von mir vorgeschnittenes Gewinde ein und wurde
innen in der Ruderfläche mit eingedicktem Langzeitharz vermufft. Das hält.
Dazu muss man die Augenschraube etwas kürzen und gut anschleifen. Das
Anlenkgestänge ist am Ruder abgewinkelt und am Servo sitzt ein 2 mm Kugelkopf.
Absolut spielfrei. Vergessen darf man dabei nicht, dass das Gestänge an dem
oberen Stiftscharnier vorbei laufen muss. Dazu ist ein leichter Knick im
Gestänge auf Höhe des Scharniers nötig oder man macht das Scharnier so kurz,
dass das Gestänge sauber vorbeiläuft.
|
Next Step:
Seitenruder Wie schon gesagt, mit Stiftscharnieren versehen, läuft es in
einer Hohlkehle. Es ist jederzeit demontierbar, in dem man die eingeschobene
Teflonseele herauszieht. Im Rumpf ist bereits ein Bowdenzugröhrchen für die
Anlenkung des Seitenruders absolut gerade mit dem Rumpf verklebt.
Doch bevorzugte ich hier die Anlenkung aus dem Graupner-Programm mittels 2-er
Litzen. Dazu setzte ich ein Servo direkt hinter das Fahrwerk, ebenfalls auf
Abachiklötzchen. Das ergibt eine absolut spielfreie Anlenkung. Das
Bowdenzugröhrchen wird jetzt zur Aufnahme der Empfängerantenne benutzt. Auch
hier kommen als Anlenkpunkt 2 Augenschrauben zum Zuge. Im Rumpf setzte ich aus
Festigkeitsgründen, da ich auch des öfteren am Hang fliege und der Untergrund
nicht so eben ist, eine zusätzliche Verstärkung ein. Ein mit 12 mm
Aussendurchmesser und 10 mm Innendurchmesser bemasstes Kohlerohr wurde im
Bereich der Nasenleiste eingesetzt und mittels Thixotropiermittel versehenes
Harz(damits nicht wegläuft) mit dem Rumpf vermufft. Vorher gut anschleifen. Das
hatte für mich einen weiteren Vorteil: In den Innendurchmesser kann man nach
etwas Auffeilen eine sogenannte Druckknopfverbindung, Multiplex nennt es
Multi-Lock, einsetzen. In Zukunft, so Bernhard Lenger, soll dieser Verbinder
ebenfalls über ihn erhältlich sein. Das wäre ein zusätzlicher Service. In
die Flächenanformung wurden noch die Ausschnitte für die elektrischen
Verbindungen gefeilt. Als weiteres wurde der Kabelbaum erstellt und verlegt.
Hier benutzte ich, wie schon längere Zeit, einen grossen Klapp-Ferritkern, in
dem 8 dickere Kabel Platz finden. Auch wurde noch ein Holzsteg
zur Befestigung der Cockpitwanne eingeharzt und mit einer 4 mm Zackenmutter
versehen.
|
Tragflächen:
Was ist hier noch zu tun? Die Steckung ist ja schon fertig. Was bleibt ist
das Einsetzen der Servos und deren Verkabelung. Für die Störklappen benutzte
ich jeweils ein C 341, für die Querruder jeweils ein C 3341. Die Servos wurden
allesamt mit Schrumpfschlauch eingeschrumpft. Der Schrumpfschlauch wurde grob
angeschliffen und die Servos mit 5 Minuten-Epoxy verklebt. Flächeninnenseite
auch gut anschleifen. Hat den Vorteil, dass wenn man Mal ein defektes Servo
austauschen muss, einfach den Schrumpfschlauch aufschneidet und das Servo
entnimmt. Habe damit positive Erfahrungen gemacht. Das Anlenkungsgestänge für
die Störklappen ist bereits eingebaut und am Ende schon Z-förmig abgewinkelt.
Man muss nur darauf achten, dass man die Anlenkung geradlinig verlaufen lässt,
dann klappt's auch mit dem Nachbarn ..., äh Störklappen. Die Anlenkung der QR
ist beim Duo Discus sehr kurz und direkt. Auch wurden hier wie beim HR die
Augenschrauben in die QR verharzt. Für die Abdeckung der Servoschächte wird
ein in der Form weiss lackiertes GFK-Teil mitgeliefert. Daraus sind dann 2
Querruderabdeckungen mit Hutze(bereits in der Form) auszuschneiden und an die
Öffnung anzupassen. Für die Abdeckung der Störklappenservos ist es ein
einfacher Deckel. Die Schächte haben auch einen tiefergesetzten Rand, ebenfalls
schon in der Form eingearbeitet. Ich habe die Abdeckungen mit ein paar Tropfen
dickflüssigem Sekundenkleber festgemacht. Das reicht auch. Die QR bestehen aus
jeweils 2 QR, wobei das innere durch das Servo angelenkt wird und das äussere,
ca. 15 cm lang, beim Ausschlag nach oben durch das innere QR mitgeführt wird,
während es beim Ausschlag nach unten stehen bleibt. Für die Neutralstellung
der äusseren QR sorgt ein eingearbeiteter Gummi. Ein einfaches Patent, aber
voll funktionstüchtig. Flächensteckung: Die Passung der Steckung ist enorm
genau und anfangs etwas schwergängig, aber ich denke bei öfterem Gebrauch
spielt sich das noch ein. Auch der Übergang Fläche --> Rumpf, hier ist das
Profil gekrümmt, bedarf keiner Worte. Passt!! Das Gegenstück der
Druckknopfverbindung wurde in die Fläche eingepasst und eingeharzt. Mir ist
diese Art der Verbindung lieber als dauernd einen Klebestreifen aufzubringen.
Als Steckerverbinder wählte ich die grünen Stecker von MPX, wobei keiner der
Stecker bzw. der Buchsen fest mit der Fläche oder Rumpf verklebt ist. Es ist
eine fliegende, flexible Verbindung.
|
Schwerpunkt auswiegen:
Hierzu wurden alle benötigten Teile im Rumpf plaziert, der Segler komplett
zusammengebaut und auf eine Schwerpunktwaage gesetzt.
Die Schwerpunktangabe laut Zeichnung liegt bei 35-40 mm ab Vorderkante
Wurzelrippe. Das scheint erst mal doch weit vorne bei einer Flächentiefe von
201 mm. Der Trick liegt hier in der vorgepfeilten Fläche.
Ich legte den Schwerpunkt in die goldene Mitte bei 37,5 mm ab Nasenleiste. Blei
war dafür schon nötig, habe es aber nicht gewogen, schätze mal ca. 200 Gramm.
Mit noch grösserem Akku oder schwererem Pilot wird es natürlich weniger.
|
Erstflug am 10.03.2002 ca. 17:00 Uhr:
Rudi, unser Schlepp-Pilot mit seiner TC Piper und ZG-45 sollte das Gespann
in die Luft befördern. An die Leine genommen und noch mal alles gecheckt, gab'
ich die Startfreigabe. Wie immer beim Erstflug mit etwas mulmigem Gefühl. Nicht
vergessen, vorher das EZFW auszufahren. Das Gespann beschleunigte, der Segler
hob willig ab, die Piper auch und mit stetem Steigen ging es nach oben. Ein
phantastisches Bild, da auch die Proportionen des Gespanns stimmen. Natürlich
habe ich vergessen, nach dem Start das EZFW einzuziehen. Neue Funktion, neue
Erfahrung. Dann kommt der Zeitpunkt des Ausklinkens, ich rechts weg, Rudi mit
Piper links weg. Jetzt kam die Stunde der Wahrheit. Der Schwerpunkt stimmt zum
Fliegen erst Mal. Rudi ist mittlerweile gelandet und freut sich über den
gelungenen Schlepp. Es ist eine Augenweide, diesen Segler in der Luft kreisen zu
sehen. All die Arbeit ist vergessen. Der Duo Discus geht gut auf Strecke, lässt
sich hervorragend kreisen und Versuche, einen Abriss zu provozieren, endeten mit
einem leichten vorhersehbaren Abkippen mal nach links, mal nach rechts, wobei
der Segler sofort wieder steuerbar ist. Sehr gutmütig und immer voll
kontrollierbar. Dann die Landung. Die muss auf unserem Platz passen. In geringer
Höhe weit ausgeholt und rein zum Endanflug. Majestätisch schwebt er rein, die
Fahrt dauernd regulierend mit den Störklappen, setzt der Segler butterweich auf
dem ausgefahrenen Fahrwerk auf. Sieht aus wie ein echter. Mittlerweile sind
schon 5 Flüge absolviert, am Schwerpunkt habe ich noch nichts geändert. Doch
werde ich noch einige Gramm rausnehmen, sprich der Schwerpunkt wandert mehr
Richtung 40 mm. Die Störklappen wirken phantastisch, bis zur Hälfte
ausgefahren, wirken sie beinahe momentenfrei. Ich bin begeistert. Versuche am
Hang und in der Thermik werden noch folgen und bei einer geringen
Flächenbelastung von ca. 72 g/dm² wird er immer vorne mithalten können.
Schau' 'mer mal ...
|
Demnächst kommt noch der Cockpit-Ausbausatz ins Cockpit rein, wie z.B.
Sitzbezüge, Gurtzeug, versch. Hebel, Steuerknüppel, Mikrofone etc. Dann ist es
wirklich ein Voll-Scale Segler. Bekommt man übrigens für günstiges Geld als
Zubehör bei der Firma Lenger. Die gelieferte Cockpitvariante entspricht der der
Variante B des Originals. Das haben meine Recherchen bei Schempp-Hirth
ergeben.
Fazit: Viel Segler zu einem sehr akzeptablen Preis.
Kollegen aus unserem Verein überlegen schon, ob ....
|
|
|
|
 |